Das wichtigste Werkzeug der Menschheit
Ein neues Zeitalter
Wir reden von Steinzeit, von der Bronzezeit, der Eisenzeit und befinden uns jetzt im Atomzeitalter - oder wie manche meinen, im Computerzeitalter. Ich persönlich würde die Zeit seit der letzten Jahrhundertwende als das Zeitalter der Kommunikation benennen. Noch nie war ein gut funktionierender Informationsaustausch so wichtig, ja lebenswichtig für eine ganze Menschheit. Denken Sie nur daran, was in Zeiten des kalten Krieges passiert wäre, hätte eine falsche Information zur Auslösung des roten Atomknopfes geführt. Diese Gefahr ist noch nicht gebannt, nein, sie schlummert nur und wartet auf eine neue Chance. Menschen an den Hebeln der Macht haben immer noch die Möglichkeit, ihre eigene Spezies auszulöschen
Die guten alten Zeiten
Zu Zeiten, als Landwirte und vereinzelte Handwerksbetriebe das Bild unserer Landschaft prägten, war die Menge der Daten, die Menschen auszutauschen hatten, gering. Es ging alles einen Gang, der seit Jahrhunderten gleich blieb. Paare mußten sich nicht in einer Partnerschaft auseinandersetzen, Kinder hatten zu gehorchen und durften sich im Normalfall nicht in die Gespräche mit Erwachsenen einmischen. Der Waren- und Dienstleistungsfluß war geregelt, nur wenige Händler verkauften Dinge, die man nicht unbedingt zum Leben benötigte.
Alle Chefs der damaligen Zeit waren unumstrittene Herrscher in ihren Unternehmen, die weltliche und geistliche Macht war auf wenige Personen konzentriert und blieb mit kleineren Ausnahmen unangefochten.
Das ist jetzt alles anders!
Unsere Welt wird täglich neu verhandelt. Man könnte meinen, fast jeder Schritt wird diskutiert. Ob jetzt in einer Familie über das Fernsehprogramm entschieden wird oder der Kauf eines neuen Automobils - es wird viel gesprochen.
In Betrieben reicht es nicht mehr eine Anordnung für bessere Qualität herauszugeben, nein, es wird in Teams "kommuniziert" und dann, wenn man Glück hat, umgesetzt. Ware wird nicht einfach beschafft, nach der Angebotseinholung wird mit den Anbietern verhandelt und erst dann ein entsprechender Abschluß getätigt. Viele Schritte in unserer Gesellschaft unterliegen Kommunikationsritualen, eine Tatsache die in der Zukunft noch viel intensiver sein wird.
Nothing is real!
Diese Textzeile stammt aus einem Song der Beatles (Strawberry Fields for ever). Nichts ist wirklich. Alle ist nur eine Projektion. Was Ihnen und mir als Wahrheit erscheint, bedeutet meinem Gegenüber vielleicht etwas ganz anderes. Und leider, ist jeder Mensch, auch ich, davon überzeugt, daß seine eigene Wahrheit die einzige auf der ganzen Welt ist, die wirklich stimmt.
Damit wird Kommunikation schwierig.
Ein besonders trauriges Beispiel ist ein vielbeachteter Prozeß gegen vermeintliche Kinderschänder. Heute ist das nicht mehr nachvollziehbar, daß Opa, Oma, Schwester und beide Elternteile verdächtigt wurde ihre eigenen Kinder sexuell mißbraucht zu haben. Das Leugnen der Angeklagten wurde als Beleg für die Beteiligung an der Tat gedeutet. Egal was die betroffenen Kinder aussagen, die Staatsanwaltschaft wertete es als Indiz für die Anklage. Erst als zum Glück irgendwann einmal feststand, daß ein Gutachten von einem Sachverständigen erstellt wurde, der nachweislich die Kinder nie gesehen hatte, wendete sich das Blatt, der Prozeß endete mit einem Freispruch.
Hier war ein Rechtsstaat nicht weit von einem mittelalterlichen Hexenprozeß entfernt, auch dort wollten die Inquisiteure nur das Beste - aber eben von einem Stand ihrer Wahrheit aus betrachtet.
Wir leben als Gefangene unserer eigenen Wahrheit - ein Ausbruch ist nicht möglich, viel gewonnen ist schon, wenn wir erkennen, daß es außer unserer eigenen noch andere Wahrheiten oder - besser gesagt - Wahrnehmungen gibt.
Für die Bewohner der Lüneburger Heide ist der Harz ein richtiges Gebirge, für einen Menschen aus Kempten nur ein kleiner Hügel. Der Wanderer aus dem hohen Norden, wird für einen Ausflug in den Harz bestes Bergschuhe tragen, für den Kemptener ist das der Spaziergang mit Familie am Sonntagnachmittag.
Ein Außendienstmitarbieter fährt am Tag bis zu 800 km, ein Familienvater, der diese Streck einmal im Jahr im Urlaub fährt, gibt vorher sein Auto in den Service. Unverantwortlich findet er alle, die nicht die gleiche Sorgfaltspflicht für ihr Fahrzeug einbringen.
Alles Landkarten
Menschen leben mit Landkarten im Kopf. Sie wurden gebildet aus unserer Herkunft, aus einem, nicht zu hoch einzuschätzenden Anteil unserer Genetik. Wir sind geprägt von den Eltern, von einer Ausbildung, von Menschen in unserer Umgebung und von Schlüsselerlebnissen. Unsere Landkarten sind permanenten Änderungsprozessen unterworfen, da sie ja ein Produkt unserer Umgebung sind.
"Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche." Dieser Spruch ist nur zu wahr, jeder kennt den entwöhnten Kettenraucher, der als erstes in den Sitzungen nach einem Rauchverbot schreit. Hier hat sich eine Wahrnehmung geändert und wird jetzt zur Grundlage einer neuen Ausgabe der Kopflandlandkarte.
Nach der Landkarte im Gehirn gehen wir unser Leben, niemand läßt sich wirklich davon abbringen einen anderen Weg einzuschlagen. Wie auch, nur die im Biocomputer gespeicherten Daten, sind für uns relevant.
Zweikanalton
Menschen kommunizieren auf zwei Wegen. Wenn Sie jemand fragt: "Wie spät ist es?" und Sie antworten: "Kurz von Fünf." dann haben wir es hier mit einer sogenannten digitalen Sprache oder Sachebene zu tun. Das Gleiche könnte auch zwischen (Ehe-)Partnern geschehen, nur daß der Mann auf die Frage seiner Frau antwortet: "Warum trägst Du eigentlich nie die schöne Uhr, die ich Dir geschenkt habe?" Hier wurde der Sachbereich verlassen, die beiden Kommunikateure betreten die Beziehungsebene, die auch analoge Sprache genannt wird.
Weitere Beispiele
Digital:
Herr Müller, war der Paketdienst schon hier?
Nein, Herr Maier.
Danke.
Analog:
Herr Müller, war der Paketdienst schon hier?
Keine Ahnung, ich kann nicht dauernd auf den Hof sehen. Einer muß hier ja schließlich etwas arbeiten.
Leben in Rahmen
Abteilungsleiter und Azubi unterhalten sich in der Mittagspause ausgiebig über ihre bevorstehende Urlaube. Der Chef erzählt dabei sehr viel über private Dinge. Zwischen beiden besteht aus welchen Gründen auch immer eine besondere Übereinkunft sich so weit zu öffnen. Ein anderer Vorgesetzter wird sich nie privat mit einem Niederrangigen auseinandersetzen, auch der Lehrling hat wenig "Bock" sich mit anderen Chefs zu unterhalten.
Nur in dem ersten Beispiel, entstand ein Rahmen, indem so ein persönliches
Gespräch möglich war.
Dies sind nur einige Fakten aus der Palette, wie Menschen miteinander
kommunizieren. Wer sich mit den Möglichkeiten von Sprache vertraut
macht, kann Konflikte besser bewältigen. Das bedeutet nicht einfach
nachzugeben oder seine Maximalforderungen durchzusetzen, nein es bedeutet
gemeinsam zu Lösungen zu gelangen. Denn in unserer Welt müssen
wir auch morgen mit unserem Mitarbeiter, mit unserm Chef, Lieferanten,
Kunden, Lehrer, Schüler, Parter/in auskommen.
Wer immer nachgibt wird schließlich frustriert mit Magengeschwüren enden, wer seine Maximalforderungen durchsetzen will, wird mit der Zeit wenig Menschen um sich haben, die mit ihm zusammenarbeiten wollen.
Wir sind alle Verkäufer!
Nicht nur der freundliche Herr Kaiser von einer nicht näher zu erwähnenden Versicherung verkauft etwas, nein, jeder tut dies. Letztendlich muß man sich auch selbst gut verkaufen, um eine Position in einem Unternehmen einzunehmen.
Kommunikation kann man lernen, wer nur wenige Grundregeln einübt, stellt fest, daß sich manche Dinge einfacher lösen lassen. So ist der Bezug zum Kunden besser, Lieferanten unterstützen ein Unternehmen, das Verhältnis zu Chefs und Mitarbeitern wird einfacher.
Autor, Unternehmer und Berater
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