Die Berufsakademie Baden-Württemberg weiterhin auf Erfolgskurs

Klaus von Trotha
Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg
 

Die vor 25 Jahren als "Stuttgarter Modell" im Rahmen der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie neu geschaffene und seit 1974 als staatliche Einrichtungen im tertiären Bereich an inzwischen 10 Standorten eingerichteten Berufsakademien haben sich als eine der ganz wenigen wirklich gelungenen Bildungsinnovationen der deutschen Nachkriegsgeschichte fest etabliert. Zusammen mit den Berufsakademien in Berlin und im Freistaat Sachsen sowie voraussichtlich ab 1998 auch in Thüringen sind die baden-württembergischen Berufsakademien mit in diesem Jahr insgesamt über 40.000 Absolventen auch Modelle für die Hochschulpolitik in anderen Ländern.

Als der für Wissenschafts-, Forschungs- und Kunstpolitik in Baden-Württemberg verantwortliche Minister konnte ich nach zuvor erfolgter positiver Evaluierung durch den Wissenschaftsrat am 29. September 1995 in Halle die Anerkennung der Abschlüsse unserer Berufsakademien erreichen. Zwei ganz wesentliche Elemente dieses Anerkennungsbeschlusses sind zum einen die Zustimmung der Länder, daß das Diplom (BA) verliehen werden kann und zum anderen die Feststellung der Kultusministerkonferenz, daß die Abschlüsse der Berufsakademien nach dem Modell der Berufsakademien in Baden-Württemberg Abschlüsse im tertiären Bereich sind, die unter die Hochschuldiplom-Richtlinie der Europäischen Union vom Dezember 1988 fallen. Mit Rücksicht auf die Berufsakademien in Berlin und im Freistaat Sachsen, die erst in den Jahren 1996 und 1997 vom Wissenschaftsrat evaluiert wurden, hat der für diese Hochschuldiplom-Richtlinie zuständige Bundeswirtschaftsminister in Abstimmung mit uns die Einbeziehung der Berufsakademien in diese Richtlinie der zuständigen EU-Kommission erst in diesen Jahr mitgeteilt.

Am 17. Juli 1997 wurde das System Berufsakademie unserer drei Länder den zuständigen EU-Koordinatoren in Brüssel vorgetragen, stieß dort auf außerordentliches Interesse und wurde akzeptiert. Damit ist die europaweite (und konsequenterweise auch weltweite) Anerkennung der Berufsakademie-Abschlüsse als gleichwertig mit Fachhochschulabschlüssen konkret umgesetzt worden. Die internationale Mobilität auch der Berufsakademie Absolventen ist damit gesichert.

"...Bildung muß das Mega-Thema unserer Gesellschaft werden!" sagte Bundespräsident Roman Herzog in seiner "Berliner Rede" am 26. April 1997. Er hat recht, wenn er in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen die Bereitschaft zur Veränderung anmahnt. "Alle müssen sich bewegen. Wer nur etwas vom anderen fordert, der bewegt gar nichts."

Die Landesregierung hat die Bedeutung der Bildung für unsere Zukunft erkannt. Mit der Zukunftsoffensive – Junge Generation – wird die Landesregierung Schwerpunkte in den Bereichen setzen, die für die Zukunftsfähigkeit und die Wirtschaftskraft Baden-Württembergs langfristig von entscheidender Bedeutung sind. Die Landesregierung setzt auf eine Ausbildung junger Menschen, die den Anforderungen der Arbeitswelt von heute und morgen gerecht wird. Sie setzt auf die Stärke von Wissenschaft und Forschung für die Entwicklung neuer Produkte., Verfahren und Technologien, die die Arbeitsplätze von morgen schaffen und sichern.

Der Stellenwert der Bildung geht daraus hervor, daß von dem insgesamt 1 Mrd. DM umfassenden Programm etwa 700 Mio. DM im Bereich Wissenschaft, Forschung und Technologie liegen. Hieran partizipieren die Berufsakademien mit rd. 42 Mio. DM. Die Finanzierung des Ausbauprogramms für die Berufsakademien mit seinen drei Programmteilen:

erfolgt für einen Zeitraum von 5 Jahren aus dem Sonderfonds der Zukunftsoffensive. Nach Auslaufen der Sonderfinanzierung wird die Deckung aller Folgekosten durch Umschichtung im Etat des Wissenschaftsmini-steriums erfolgen. Bereits jetzt ist gewährleistet, daß durch Umschichtung die insgesamt 94,5 Stellen, die im Rahmen der Ausbauprogramms bis 2001 zugehen, ab 2002 auf Dauer im Haushalt der Berufsakademien verankert werden.

Die Berufsakademie Stuttgart als unsere größte Berufsakademie partizipiert zwar nicht an dem Programm zur Einrichtung neuer Kurse, aber sehr stark an dem Stellenkonsolidierungsprogramm. Insgesamt stellen wir für alle Berufsakademien 45 Konsolidierungsstellen zur Verfügung. Stuttgart erhält davon 10,5 (darunter 9 Professorenstellen). Auch an dem Programmteil zur Verbesserung der Auslandsbefähigung wird Stuttgart sehr angemessen partizipieren. In meinen Augen ist das Stellenkonsolidierungsprogramm ohne Kapazitätserweiterung das Herzstück der Zukunftsoffensive für die Berufsakademien im Lande.

Die Berufsakademien sind aus der bildungspolitischen Landschaft in Baden-Württemberg und weit darüber hinaus nicht mehr wegzudenken. Nach wie vor haben die jährlich zwischen 3.000 und 4.000 Absolventinnen und Absolventen exzellente Chancen auf dem Arbeitsmarkt: In den letzten Jahren hatten bereits 85% der Studierenden der dritten Studienjahres vor Abschluß des Studiums einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Dies macht das Studium für die Studienanfänger neben der fordernden und nur drei Jahre dauerndem Wechselausbildung in Theorie und Praxis und der durchgängig gezahlten Ausbildungsvergütung, die materielle Unabhängigkeit bietet, so attraktiv. Auch für die Firmen rechnet sich die Berufsakademie-Ausbildung: Da die meisten Absolventen in den Firmen verbleiben (nur rd. 3% der Absolventen wechseln nach dem Berufsakademie-Abschluß zu einer Hochschule), da nur rd. 10% das Studium abbrechen bzw. den Abschluß nicht bestehen, stehen 80-90% der Studienanfänger Jahr für Jahr dem Arbeitsmarkt als qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung. Sie haben nach mir vorliegenden gründlichen Untersuchungen im Berufsleben die gleichen Chancen wie Hochschulabsolventen, erreichen verantwortungsvolle Positionen aber in früheren Jahren. Den Absolventinnen und Absolventen der Berufsakademie Stuttgart in der Fachrichtung Industrie, aber auch allen anderen Absolventinnen und Absolventen landesweit wünsche ich für ihr Berufsleben viel Glück und den verdienten Erfolg.

 
Klaus von Trotha
Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg n
 

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