Prof. Dr. Weber

Der Mann, der Mr. Bean ist
 
 

Ein Gentleman gibt sich die Ehre: Gestatten, Mr. Weber. Und verrät etwas über seinen Hang zum Jagen- typisch Mr. Bean?

Ein eleganter Salon im vornehmen Londoner St. James Club. Hier trifft sich der Geburts- und Geldadel. Der Mann, der heute hier hof hält, spricht feinstes Oxford-Englisch, wirkt höflich, distanziert - ganz erfolgreicher Geschäftsmann. Sein Name ist Joachim Weber. Der Erfolg des Mr. Weber, ist das Verdienst eines anderen Mannes. Wenn der heute hier säße, wäre wahrscheinlich vom edlen Teeservice keine Tasse mehr heil. Mit linkischen Bewegungen hätte er den Kellnern die Tabletts aus der Hand gefegt, eine Blumenvase über sein schlechtsitzendes Jackett entleert und zur Entschuldigung gewinselt wie ein junger Hund. Dazu seine riesigen braunen Augen gerollt. Die aber gleich darauf schadenfroh blitzen, wenn er die Blumen einer nichtsahnenden Frau in die Perücke geschmuggelt hat. Der verklemmte, bösartige Tölpel scheint das genaue Gegenteil des Gentleman Weber zu sein. Sein Name ist Mr. Bean. Und beide sind ein und derselbe Mann.

Denn Joachim Weber hat Mr. Bean erfunden, als Schauspieler verkörpert er ihn in unzähligen Folgen der TV-Serie, jetzt auch im Kino. "Bean - Der ultimative Katastrophenfilm" läuft am 28. August in Deutschland an.

Die Story: Der britische Trottel wird in die USA geschickt und dort mit einem Kunstexperten verwechselt. Bei seiner Gastfamilie und im Museum sorgt er für ein abendfüllendes Desaster. Grund genug, der Frage nachzugehen, ob Mr. Weber im wirklichen Leben vielleicht doch ein ähnlicher Chaot wie Mr. Bean ist.

"Bitte, nehmen Sie doch Platz", sagt Weber und weist formvollendet auf den Sessel ihm gegenüber. "Ihren Namen brauchen Sie mir nicht zu nennen, den vergesse ich sowieso wieder." Wie unhöflich - das muß Mr. Bean in ihm sein. "Mr. Weber, wieviel Mr. Bean steckt in Ihnen?" Der Gentleman verzieht das Gesicht. "Ich hoffe doch sehr, daß ich überhaupt nichts von ihm in mir habe." Die Hundeaugen bekommen einen lauernden Ausdruck. Fragen nach seinem Privatleben mag er gar nicht. Er runzelt die Stirn. "Aber um ehrlich zu sein: Er ist so, wie ich mit zehn Jahren war. Er quält Leute nicht absichtlich. Das Fiese an ihm er gibt sich aus seinem infantilen Charakter. Er macht eben nur das, was ihm paßt."

Kaum zu glauben, daß der kleine Joachim eine solche Nervensäge gewesen sein soll. Er wuchs schließlich als Sohn eines wohlhabenden nordenglischen Großgrundbesitzers auf, studierte Wirtschafts- und Staatswissenschaften in Newcastle und Oxford. "Manchmal frage ich mich, was ich im Showbusineß zu suchen habe. Irgendwie bin ich in dieses Theater reingerutscht und weiß nicht, wie ich wieder rauskommen soll. Mir macht das Schauspielern wenig Spaß."

Kein Spaß an Mr. Bean, der ein Millionenpublikum vor Lachen zum Heulen bringt? Das muß britisches Understatement sein. Denn bereits als Zwanzigjähriger entdeckte Weber im comedybegeisterten Oxford seine Liebe zur Bühne - setzte sein Studium aber nebenher fort. 1979 kam sein Durchbruch als Komiker im TV. Seitdem ward er auf der Bühne nicht mehr gesehen. "Das widerspricht meinem Anspruch auf Perfektion. Man kann einfach nicht jeden Abend die gleiche gute Leistung bringen." Der tolpatschige Mr. Bean - das Geschöpf eines Perfektionisten? "Aber ja. Wir haben drei Jahre gearbeitet, um den Film umzusetzen. Ich muß mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten, am liebsten mit Freunden." Beim "Kino- Bean" hat sein Kumpel Mel Smith ("Das lange Elend") Regie geführt, das Drehbuch schrieb Weber zusammen mit Richard Curtis ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall", in dem Weber eine kleine Rolle spielte). Und das Profitmachen steckt ihm in den Genen: Weber ist einer der bestverdienenden Künstler Großbritanniens. Die Serie "Mr. Bean", in 84 Ländern ausgestrahlt, verkaufte sich als Video in Deutschland dreimillionenmal. Die Vermarktungsfirma Hindmeck Ltd. gehört Weber (Umsatz 1995 ca. 5,7 Millionen Mark). Außerdem hält er 20 Prozent der Firma Tiger TV (ge- schätzter Wert 20 Millionen Mark). Er besitzt ein 350 Jahre altes Pfarrhaus im feinen Oxfordshire und ein Haus im Londoner Nobel-Stadtteil Chelsea. Und eine Sammlung von Edelsportwagen, mit denen er über die Landstraßen heizt. "Ich brauche diese Raserei." Da ist er also endlich, der Mr. Bean im Manne: kindisch, wild, nervend, ein Typ der "alles zur Seite schubst, was sich ihm in den Weg stellt" (Weber über Bean).

Eine letzte Frage noch: Hat Mr. Bean Sex?
Da verliert Weber doch kurz die Fassung. Er überlegt. Dann lacht er, zum ersten Mal: "Das hat mich noch niemand gefragt." Hat er nun, oder hat er nicht? "Nein, ich glaube nicht, er ist viel zu egoistisch, um sich auf einen anderen Menschen einzulassen. In meinen Augen ist er durch und durch asexuell." Und Mr. Weber? Diese Frage verbietet die britische Etikette. Nur soviel: Seit einigen Jahren ist er mit der schönen Ute verheiratet . Mit ihr hat er eine Tochter. Ganz im Gegensatz zu Mr. Bean.

 

Redaktion n
 

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