Monika G.
Es
war einmal das Volk der Isomorphies. Es lebte im fernen Lande
Definiendum
weit hinter den Axiomen. Ihr König war ein alter und weiser Mann.
Er hieß Karl Popper und war ein kritischer Rationalist. Seine
Liebe
zur Weisheit war grenzenlos. Gerne hätte er diese Leidenschaft an
seinem einzigsten Kind gesehen. Doch seine Tochter, man nannte sie Moni
de Gomboc, hatte ihre eigenen Vorstellungen von der Wahrheit. Sie war
sozusagen
ein unkritischer Rationalist. Sie lebte nach der Devise: "Es existiert
nur das was ich essen kann!" Das bereitete dem König großen
Sorgen. Er beschloß seine Tochter einer Ausbildung zu
unterziehen.
Im fernen Stuttgart existierte ein weiterer weiser Mann, der viel von
sich
reden machte. Sein Ruf drang bis ins Königreich Definiendum. Man
nannte
ihn Onkel Jo. Einmal im Jahr scharte er neue Jünger an der BA um
sich,
um sie an seiner unendlichen Weisheit zu beteiligen. Karl Popper
beschloß,
daß auch seine Tochter zu diesen Auserwählten gehören
sollte.
Damit Moni de Gomboc aber nicht allein in die Fremde ziehen
mußte,
gab er ihr einen Wegbegleiter an die Seite, der auch noch etwas
Weisheit
vertragen konnte. Er hieß Kressi-Baby. Aber bevor sich die beiden
zielbewußt und systematisch mit ihrer Zukunft auseinander-setzen
konnten mußten sie, wie ihr natürlich alle wißt, eine
Planung aufstellen. Nachdem sie eine Zielplanung, Mittelplanung,
Ressourcenplanung
und Organisationsplanung aufgestellt hatten, konnte es endlich
losgehen.
Zum Schutz hatte ihnen der König schlagkräftige Waffen
mitgegeben.
Moni de Gomboc erhielt ein nervenzerrendes "Tztztztztztz", mit dem sie
unauffällig und gezielt einzelne Personen in den Wahnsinn treiben
konnte. Da aber Kressi-Baby die Aufgabe hatte die Königstochter zu
beschützen, bekam er eine weitaus zerstörerische Waffe an die
Hand- oder besser in den Mund. Er bekam ein loses Mundwerk, daß
innerhalb
kürzester Zeit nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Reihen
in
den Wahnsinn treiben konnte.
Es ging ganz merkwürdig an der BA zu. Von morgens bis abends wurden sie eingesperrt und mußten irgendwelchen Leuten zuhören, die gar komische Geschichten erzählten. Einer erzählte Fabeln von Leuchttürmen und Würgern, eine andere nur von Melitta und "Kaffeegenuß" und einer konnte nur reden, wenn er sich alle 2 Minuten Mandarinen oder Joghurt zufütterte. In den Pausen mußte man eine undefinierbare Brühe trinken, damit man auch durchhalten konnte. Mittags gab es dann eine Massenspeisung in der Mensa, der Klein-Moni (so wurde sie nun von ihren Leidensgenossen genannt) ziemlich schnell fern blieb. Gott sei Dank gab es aber auch eine gute Fee, genannt Frau Ströbel. Klein-Moni träumte oft von den sorglosen Zeiten, als sie noch ohne Weisheit auskam und unbekümmert ihre Katze und ihre Brüder quälen konnte. Aber es gab auch schöne Zeiten an der BA. So konnte man herrlich die Nebensitzerin in einer traumhaften Geschwindigkeit auf die Palme bringen. Das machte ihr sehr viel Spaß, auch wenn sie dann manchmal merkwürdige Dinge aus dem Kaffee oder der Bonaqua-Dose fischen mußte. Einmal bekam sie sogar einen Auftrag von Onkel Jo. Sie durfte ins ferne Land Amerika, um deren Weisheit zu testen. Natürlich kam ihr ständiger Begleiter Kressi-Baby mit. Die beiden hatten viel Spaß in Amerika, doch viel Weisheit konnten sie auch hier nicht finden. Aber wenigstens konnte Klein-Moni viele Leute mit T-mails überfallen, was einen regelrechten T-mail-Boom auslöste. Nach 3 Jahren war es dann soweit. Klein-Moni und ihre Mitjünger (genannt Kommilitonen - was wiederum übersetzt heißt: "Die Hunde, die man zum Jagen tragen muß!") bekamen das große Siegel. Ab diesem Tag durften sie sich "Ökologen" nennen. Klein-Moni fand das sehr spaßig, obwohl sie sich fragte, wo in all den Tonnen Skript-Papier sich die Weisheit nun versteckt hatte. Zwar erkannte sie, daß noch andere Dinge existierten, wie die Dinge , die sie essen konnte, aber leider mußte sie sich eingestehen, daß ihr Wissen auch nur kritisches Raten war.